Wie Reisen mein Leben rettete


Bild h.koppdelaney

Als der Chirurg meinem Vater den Tumor in der Größe eines Golfballs aus dem Kopf nahm, entschuldigte er sich und sagte, mein Vater hätte das Glück, noch zwei Monate zu sehen.

Als Familie haben wir uns auf einen Kampf bis zum Ziel eingelassen, der 500 lange Tage dauern würde. Langsam stahl die Krankheit alle Fähigkeiten meines Vaters, bis er schaudernd im Rollstuhl saß und einen Arm um meine Schulter humpelte, als ich ihn hochhob und vorsichtig zur Toilette führte.

Der Tod hing in den Räumen meiner Kindheit wie Oktobernebel und ließ sich wie feiner Staub in den Falten unserer jungen Gesichter nieder. Nachdem alles vorbei war, musste ich raus. Raus aus dem Haus, raus aus dem Staat, raus aus der verdammten Hemisphäre.

Jeder geht anders mit tiefem Kummer um. Es gibt keinen richtigen Weg, aber es gibt viele falsche Wege. Mir ist nur eines eingefallen, Italien.

Was ich in Italien tun würde, war mir ein Rätsel. Ich wusste nur, dass ich gehen musste.

Italien begeisterte mich, weckte meine Fantasie und begann für mich zu skizzieren, was es sein könnte, wieder zu leben. Ich war zwanzig

Das Stigma des Todes war nie weit und oft, während ich in einer Kathedrale stand oder versuchte, mich zum Schlafen zu bringen, war mir sehr bewusst, dass ich rannte. Ich wusste hinter meiner konstruierten Gestalt eines sorglosen Reisenden, dass ich ein junger Mann unter einem Fluch war.

Mein trauernder Verstand wandte sich den Naturwundern und den Überresten früherer Zeiten mit der Raserei eines Süchtigen zu. Jedes Fresko, jede Statue, jede gelangweilte Madonna war so weit von den abgestandenen, bösartigen Räumen entfernt, in denen ich gewohnt hatte, dass ich sie fast verehrte.

Verona: Ich steige die Treppe auf die Höhe des ersten Hügels und wasche mein Gesicht im Fluss eines winzigen Brunnens. Immer weiter bis ich den zerstörten Geist einer Burg treffe, der nur von einer großen Umfassungsmauer überlebt wurde. Ich hebe mich hoch. Ich genieße die letzten Passagen eines Buches, mit dem ich mir meine süße Zeit genommen hatte. Ich lese die letzte Zeile vielleicht zehn Mal, schließe die Abdeckung und schaue am Nachmittag hinaus.

Irgendwo weit, aber nicht zu weit läutet eine Glocke. Etwas Gutes schleicht sich in mein Herz und ich fühle mich diesem Guten nahe, gehalten von diesem Guten und einem Teil der unendlichen Summe des Guten. Dann denke ich wie eine Inspiration an meinen Vater. Eine Unterströmung tief in mir hört auf und mein Geist stört bei der Änderung der Geschwindigkeit.

Ich fühle mich aufhören zu rennen.

Ich bleibe eine Weile auf dem Felsvorsprung der alten Burgmauer. Wenn ich endlich gehe, dann mit dem gemächlichen Tempo eines Mannes, der zum Vergnügen spaziert und nicht um sein Leben rennt.


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